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La
Bohème - Oper in 4 Akten |
Libretto
von Giacomo Giacosa und Luigi Illica
Musik von Giacomo Puccini
Ort der Handlung ist Paris, um 1830
Erstes
Bild
Mansarde
Ein Wintertag in Paris - dem Paris Balzacs. Colline,
Marcello und Schaunard, drei Künstlerfreunde, verlassen
nach einer Auseinandersetzung mit dem Hausherrn
Benoît in übermütiger Laune ihr Dachzimmer, um den
Weihnachtsabend im Café Momus, ihrem Stammlokal
im Quartier Latin, zu feiern. Rodolfo verspricht
nachzukommen, sobald sein Artikel fertig sei. Da
klopft es. Mimi, eine Midinette, steht vor der Tür;
der Wind hat ihre Kerze ausgeblasen. Schon im ersten
Augenblick nimmt die zarte Schönheit der jungen
Nachbarin Rodolfos Herz gefangen. Ein verlorener
Schlüssel, die abermals verlöschende Kerze, ein
wenig männliche Willkür und geradeso viel mädchenhafte
Koketterie - genügend Momente, um an einem kalten
Pariser Weihnachtsabend die Liebe erwachen zu lassen:
Im Mondlicht finden sich ihre Hände (›Che gelida
manina | Wie eiskalt ist dies Händchen). Verwirrt
wirft sich die bezaubernde Unbekannte in einen Sessel.
Jetzt stellt sich Rodolfo ihr vor (›Chi son? Son
un poeta | Wer ich bin? Ich bin ein Dichter) und
sie nennt ihm ihren Namen (›Mi chiamano Mimi | Ja,
man nennt mich Mimi). Nach einem Augenblick verliebter
Einsamkeit (›O soave fanciulla | O liebliches Mädchen)
folgt das junge Paar den ungeduldig rufenden Freunden
ins Café Momus.
Zweites
Bild
Quartier Latin
Weihnachtsmarkt und Trubel auf einem freien Platz
vor dem Café Momus. Rodolfo und Mimi haben die Freunde
gefunden und setzen sich zu ihnen. Mit unfeierlichem
"Pathos" zelebrieren die Freunde eine Ausnahmefeier:
Mimi gehört jetzt zu dem Kreis. Da nähert sich ein
seltsames Paar: Am Arm des alten Alcindor erscheint
Musetta, "der Stern des Quartier Latin", eine ehemalige
Geliebte Marcellos. Sowie sie ihren früheren Freund
erblickt, beginnt Musetta unter den Augen ihres
derzeitigen Galans einen verliebten Flirt mit Marcello
(›Quando m'en vo | Wenn ich so gehe). Der fängt
schnell wieder Feuer; und während Alcindor mit dem
Auftrag, ein Paar Schuhe für Musetta zu kaufen,
fortgeschickt wird, tragen Colline und Marcello
Musetta durch die ausgelassene Menge. Der geprellte
Alte findet bei seiner Rückkehr nur noch die unbezahlte
Rechnung vor.
Drittes
Bild
Barrière d'enfer
Dem Weihnachtsabend sind Wochen ständig wechselnden
Glücks für die beiden Paare - Marcello und Musetta,
Rodolfo und Mimi - gefolgt. Marcello hat mit Musetta
in einer Schenke nahe der Barrière d'enfer Quartier
genommen. Dorthin kommt Mimi in der trostlosen Frühe
eines Februarmorgens, um bei Marcello Rat zu suchen:
Ihr Verhältnis zu Rodolfo ist fast unhaltbar geworden,
seine übergroße Leidenschaft treibt ihn zu Mißtrauen
und Eifersucht. Rodolfos größte Sorge aber, das
gesteht er seinem Freund Marcello, gilt der immer
schwächer werdenen Gesundheit seiner Geliebten,
ihrem hartnäckigen, beängstigenden Husten, der sich
in seinem kalten Nordzimmer täglich verschlimmert.
Marcello meint, in diesem Fall sei es das Beste,
sich zu trennen. Er selbst entzweit sich - eines
anderen Liebhabers wegen - mit Musetta. Während
eines grotesken Streits zwischen den beiden, nehmen
Rodolfo und Mimi schweren Herzens Abschied voneinander
(›Donde lieti usci | Von wo sie froh einst kam).
Ganz trennen, so versprechen sie sich, werden sie
sich aber nicht eher, als "bis rings die Blumen
blühn".
Viertes
Bild
Mansarde
Drei, vier Monate sind vergangen. Weder Marcello
noch Rodolfo haben etwas von den Mädchen gehört.
Aber ihre Gedanken schweifen immer wieder zurück,
und wenn sie sich unbeobachtet glauben, hängen sie
ihren Träumen nach und holen die kleinen Andenken
hervor, die ihnen aus glücklicheren Zeiten geblieben
sind.. Mitten in die halb wehmütigen, halb ausgelassenen
Erinnerungen hinein kommt plötzlich Musetta; sie
bringt Mimi mit, die sich vor Erschöpfung kaum mehr
bis zur Zimmertür schleppen kann. Rodolfo bettet
das geliebte Mädchen auf ein Lager. Die Freunde
und Musetta legen ihre letzte Habe zusammen, um
für die Kranke Medizin und einen Doktor zu besorgen
und ihr den sehnlich gewünschten Muff schenken zu
können. Colline nimmt wehmütig Abschied von seinem
Mantel (›Vecchia zimarra, senti | Hör', du alter
Mantel), den er im Pfandhaus beleihen lassen will.
Dann bleiben Rudolfo und Mimi für eine Weile allein,
Gelegenheit für Mimi, ihn ein letztes Mal ihrer
Liebe zu versichern (›Sono andati? Fingevo di dormire
| Sind sie gegangen? Ich gab nur vor zu schlafen).
Allmählich kehren die Freunde zurück. Aber alle
ihre Anstrengungen kommen zu spät. Ein letztes Mal
schlägt Mimi die Augen auf, erkennt mit erlöschender
Freude den Muff und schläft sanft hinüber. Rodolfo
bleibt mit seinem Schmerz allein.